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Übung 2

Das Internet auf meinem Handy braucht Lithium im Akku


zur übung

methodenbeschreibung

Kurzdefinition

Der Akku als Energiespeicher – Woher kommen die Rohstoffe in unseren Handys? In dieser Übung lernen Teilnehmer*innen die sozial-ökologischen Auswirkungen des Lithium-Bergbaus in Lateinamerika kennen. Außerdem setzen sie sich mit Protesten in Bolivien auseinander und erfahren, welche Technologien von deutschen Unternehmen entwickelt werden. Anhand von sechs Stationen beschäftigen sie sich mit Technologien zur Rohstoffgewinnung, der Herstellung, Nutzung und Entsorgung eines Handys. Mittels einer kollaborativen Präsentation teilen sie dieses Wissen miteinander.

Methode: Stationen-Methode und Präsentation
Zeitaufwand: 90 Minuten
Zielgruppe: ab 10. Klasse
Gruppengröße: 20 – 30 Teilnehmer*innen
Raum, Aufbau: 6 im Raum verteilte Arbeitstische, Abschluss im Plenum (Stuhlkreis)
Material: Flipcharts, Marker und Klebestifte oder 6 Computer und ein Beamer
Arbeitsmaterial: 6 Hintergrundtexte mit jeweils einem Bild
Teamer*innen: 2 Teamer*innen
Komplexität: Je nach Zielgruppe ist zu entscheiden, ob die Texte um Details gekürzt werden um die Komplexität zu reduzieren. Für jüngere Zielgruppen können Teamer*innen komplexere Passagen auch in leichtere Sprache umformulieren. Je nachdem ob/ welches Vorwissen es zu Kolonialismus gibt, sollte dem Aspekt der kolonialen Kontinuitäten unterschiedlich viel Raum gegeben werden.

Ziele

Die Teilnehmer*innen erkennen, dass ihr Handy (konkret der Akku) aus Rohstoffen besteht und dass die Herstellung, Nutzung und Entsorgung des Handys mit sozial-ökologischen Ungleichheiten verbunden ist. Am Beispiel Bolivien, wo deutsche Unternehmen am staatlichen Lithium-Projekt beteiligt sind, analysieren sie, dass nicht nur soziale und ökologische Kosten eines Handys, sondern auch die Technologien zur Gewinnung der Rohstoffe der digitalen Technologien global ungleich verteilt sind. Sie reflektieren die globalen Machtverhältnisse. Die Übung stärkt die Kompetenz der Teilnehmer*innen das Erlernte zu präsentieren.

Ablauf

Die*der Teamer*in führt kurz in das Thema ein und erklärt den groben Ablauf der insgesamt drei Arbeitsphasen: Die Teilnehmer*innen setzten sich während der Übung zunächst mit jeweils einer von sechs Facetten auseinander:

  1. Rohstoffabbau im Lithium-Dreieck
  2. (Bergbau-) Technologien aus Deutschland
  3. Herstellung eines Handys
  4. Das Handy – ein ständiger Begleiter im Alltag
  5. Elektroschrott: Verschrottung eines Handys
  6. Protest und Alternativen in Bolivien

In der zweiten Phase setzen sie diese Aspekte in einer Präsentation zusammen und gewinnen somit am Beispiel Lithium einen Gesamteindruck. Abschließend tauschen sich die Teilnehmer*innen über das Erfahrene aus.

Vorbereitung

Muss entsprechend der Art und Weise der Präsentation erfolgen (s. unten).

Durchführung

1. Kleingruppenphase (40 Minuten)

Die Teilnehmer*innen ordnen sich einer der sechs Gruppen zu: Rohstoffabbau im Lithium-Dreieck, Technologien aus Deutschland, Produktion eines Handys, Nutzung des Handys, Verschrottung eines Handys, Protest und Alternativen. Die Kleingruppen sollten etwa gleichgroß sein (z.B. vier Personen pro Gruppe bei 24 Personen).

Jede Kleingruppe sucht auf der Projektseite in der Galerie die Facette aus, die sie beleuchten möchte und lädt sich den Hintergrundtext runter (alternativ bekommen sie die Arbeitsblätter direkt ausgehändigt). Der Arbeitsauftrag lautet, die Inhalte so aufzuarbeiten, dass sie im Anschluss den anderen Kleingruppen über die Station berichten können. Sie sollen also zuerst den Text lesen und sich daraufhin darüber verständigen, was für sie fünf wesentliche Informationen sind. Die*der Teamer*in weist die Teilnehmer*innen nach ca. 20 Minuten darauf hin, dass sie noch 20 Minuten haben, um ihren Abschnitt der Präsentation oder ihr Flipchart zu erstellen (s. Optionen unten bei Präsentations-Phase).

2. Präsentation (20-30 Minuten)

Ablauf bei kollaborativen Erstellung einer Präsentation:
Die Teilnehmer*innen erstellen in der ersten Phase mit dem kollaborativ bearbeitbaren Editor-Tool CodiMD gemeinsam eine Präsentation, setzen sozusagen die Facetten wieder zusammen. Die*der Teamer*in kopiert vor dem Workshop die Präsentations-Vorlage (https://demo.codimd.org/s/HJGUJxq08#) in ein neu erstelltes Präsentations-Etherpad (unter https://demo.codimd.org/ auf „neue Gastnotiz“ gehen): Bei der Vorlage oben rechts auf „edit“ klicken und alles in das neu erstellte Etherpad kopieren. Dieser neu erstellte Link wird am Anfang der ersten Phase den Kleingruppen gegeben, damit sie darin arbeiten können. Im Anschluss (zweite Phase) findet die kollaborative Präsentation statt (insgesamt ca. 20-30 Minuten): Jede Kleingruppe kommt bei ihren Folien nach Vorne und stellt ihre Ergebnisse in jeweils 3 Minuten vor.

Ablauf bei Erstellung von Flipcharts:
Die Kleingruppen erstellen jeweils ein Flipchart mit einer Überschrift, einem Bild und fünf Stichpunkten. Anschließend hängen sie ihr Flipchart in der vorgegebenen Reihenfolge aber im Raum verteilt auf. Die Teilnehmer*innen bewegen sich nun frei im Raum, schauen sich die von ihnen erstellte Galerie an und können sich zu den Flipcharts Fragen stellen (20 Minuten).

3. Kleingruppenphase (20 Minuten)

Nach der Präsentation kommen die Teilnehmer*innen im sogenannten Kugellager zusammen: Die Gruppe teilt sich in zwei gleich große Untergruppen. Die erste Gruppe bildet einen Innenkreis, die zweite einen Außenkreis. Dabei steht oder sitzt jeder Person des Außenkreises eine Person des Innenkreises gegenüber. Die Paare sind einander zugewandt.  Die*der Teamer*in stellt eine Reflexionsfrage, über die sich die Paare austauschen sollen (s. Fragen unten). Dabei hat der Innenkreis die Aufgabe, als erstes zu berichten, der Außenkreis hört zu und stellt Nachfragen. Nach ca. drei Minuten stehen alle auf Zeichen des Moderators auf und wandern drei Plätze weiter. Dabei bewegen sich Innen- und Außenkreis in gegensätzliche Richtungen, sodass sich neue Gesprächspartner*innen gegenübersitzen. Die*der Teamer*in stellt die nächste Frage. Jetzt soll der Außenkreis mit dem Sprechen beginnen und der Innenkreis nachfragen. In der Regel geht die Kugellager-Reflexion ca. fünf Runden.

Mögliche Leitfragen (stehen auch am Ende der Präsentation):

  • Sofern eine Weltkarte im Raum ist, auffordern nochmal nachzusehen: Wo kommen die Rohstoffe her? Wo wurde das Handy entworfen, produziert und gekauft?
  • Nehmt (wenn möglich) den Akku aus eurem Handy raus. Betrachtet den Akku und tauscht euch darüber aus, ob ihr damit Ungleichheiten verbindet!
  • Was habt ihr darüber erfahren, wie die bolivianische Regierung bestimmte globale Ungleichheiten verändern möchte?
  • Welche Möglichkeiten haben die Menschen in der Abbauregion und die Arbeiter*innen, sich für ihre Rechte einzusetzen?
  • Was könnten wir in Deutschland anders machen in unserem Umgang mit Handys?
  • Setzt den Akku wieder ein: Was fühlt sich gerecht an, wenn ihr an die Herstellung und Nutzung des Handys denkt? Wer kann was machen, damit es gerechter wird?

Diskussion und Reflexion

Anschließend leitet die*der Teamer*in anhand folgender Fragen eine Auswertung der Methode von ca. zehn Minuten an. Die Reflexion findet im Plenum statt: Alle Teilnehmer*innen sitzen im Kreis und die*der Teamer*in stellt die Fragen in die Runde. Die Teilnehmer*innen, die möchten, können sie z.B. in Blitzlichtrunden beantworten.

Fragen:

  • Was hat euch überrascht?
  • Kanntet ihr einige der kennengelernten Probleme und Konflikte schon? Was erscheint euch ungerecht?
  • Hat sich euer Blick auf euer Handy verändert?

Fallstricke

  • Die Teamer*innen sollten darauf achten, dass sich in den Kleingruppen alle an der Diskussion beteiligen können. Hierfür können die Teamer*innen darauf hinweisen, dass die Kleingruppen sich moderieren und auf unterschiedliche Rollen einigen: Wer schreibt/ tippt? Wer präsentiert? Wer achtet darauf, dass alle zu Wort kommen?
  • Es besteht der Fallstrick, dass Deutschland als Land mit fortschrittlichen und nachhaltigen Technologien dargestellt wird, ohne dass auf die ungleichen Machtverhältnisse eingegangen wird, über die eigentlich eine Reflexion angestoßen werden soll. Die Teamer*innen sollten außerdem darauf achten, dass Boliviens Projekt nicht belächelt oder als gescheitert dargestellt wird. Auch hier sollten die Teamer*innen durch Nachfragen den Fokus wieder auf eine kritische Erörterung der Probleme und Herausforderungen lenken. Um dies leisten zu können, empfehlen wir, dass Teamer*innen sich mit Kolonialismus und kolonialen Kontinuitäten auseinandergesetzt haben.
  • Sofern die Gruppe gemischt ist, was Erfahrungen mit Rassismus anbelangt (weiße Personen, People of Color, Schwarze und indigene Personen), ist die Herstellung eines guten Vertrauensverhältnisses besonders wichtig. Die Teamer*innen sollten sich darauf vorbereiten, wie sie mit Abwehrreaktionen (z.B. der Verharmlosung des deutschen Kolonialismus) oder mit rassistischen Äußerungen umgehen. Weitere Reaktionen können Schuldgefühle von weißen Teilnehmer*innen Dafür sollten die Teamer*innen sich überlegen, wie sie Bilder der (ehemals) Kolonisierten als passive Opfer und der (ehemals) Kolonisierenden als angeklagte Täter aufbrechen. Es sollte verhindert werden, Teilnehmer*innen in eine emotionale Sackgasse zu führen. Um dies leisten zu können, empfehlen wir, dass Teamer*innen sich mit Rassismus und kritischem Weißsein auseinandergesetzt haben.

Verknüpftes Modul

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